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Rückblick auf die Vereinsgeschichte von 1900 bis Heute

Einem alten Brauch folgend, wollen wir im Jubiläumsjahr Rückschau auf die ersten 110 Jahre der Musikkapelle und des Musikvereins Neuweier halten. Vieles was wir in den alten Urkunden und Protokollen lesen, erscheint aus heutiger Sicht undenkbar und zeitlich weit entfernt, obwohl seit der Gründung der ersten Kapelle erst 110 Jahre vergangen sind. Gerade deshalb meinen wir, ist es anläßlich unseres Jubiläums unsere Pflicht, einen Rückblick zu versuchen und zu zeigen, daß im Laufe der vergangenen 110 Jahre viel Idealismus, Ehrgeiz und Fleiß notwendig waren, die Kapelle und den Verein erfolgreich durch dieses ereignisreiche Jahrhundert zu führen.

Um die Jahrhundertwende legte eine Schar musikbegeisterter Männer um den Lehrer Grumann den Grundstock für eine kleine Musikkapelle: Hermann Boy, Franz Ernst, Josef Ernst, Matthias Hasel, Franz Hörth, Wilhelm Ling, Karl Lörch, Otto Lörch, Peter Meier, Johann Oser, Wilhelm Senn - diese Namen sind uns als die ersten Musiker überliefert. Bald fanden die ersten öffentlichen Auftritte statt und es dauerte nicht lange, bis sich jüngere Anhänger (heute würde man Fans sagen) wie Franz Ernst, Wilhelm Knopf, Philipp Meier, Johann Seiter der ersten Gruppe anschlossen. Inzwischen hatte Franz Ernst den Dirigentenstab übernommen, ehe er ihn 1911 an Franz Lörch übergab. Erst 40 Jahre später übergab dieser ihn in die Hand seines Neffen Richard Lörch. In dieser Zeit leitete er auch viele Jahre die Varnhalter Kapelle.

Mit Franz Lörch begann die Geschichte des am längsten tätigen Dirigenten. Und dass die Dirigenten lange bei der Stange bleiben, gehört seither dazu. In unserer 110jährigen Geschichte ist der jetzige Dirigent Alexander Wurz erst der 7. Dirigent. Zurück zu Franz Lörch: Als er 1920 aus der Gefangenschaft heimkehrte, formierte er aus den überlebenden des Krieges und einigen neuen, jungen Musikanten schnell wieder eine neue Kapelle. Bald konnte man sich wieder an Festen, Feierlichkeiten und Wettspielen beteiligen.

Im Protokollbuch heißt es ...es lief so gut, daß wir ab 1921 wieder öffentlich auftreten konnten ....oder 1924 Teilnahme an einem Preisspielen - wir spielten die Jubiläumsouvertüre - der Vortrag war tadellos - leider ist der Preis nicht so gut ausgefallen wie wir ihn verdient hätten, denn die Pokale waren so gut eingefettet, dass sie alle an uns vorüberrutschten, bis auf den vorletzten. Die Jungs waren auch schon überzeugt von sich!


Das Musizieren brachte auch Geld ein; und so konnte man 1925 mit gespartem Geld für 21 Mann je einen Rock und eine Mütze kaufen.

 

Diese Uniform zeigt Ihnen Rita Schweikert

Es war eine grüne Uniform - die Kosten beliefen sich auf 55,- Mark pro Mann.

Im September 1925 wird dann zusammen mit dem Gesangverein ein Gartenfest veranstaltet - diese gemeinsamen Feste dauern bis Ende der 70er Jahre.

1927 wurde dann der Musikverein gegründet und ins Vereinsregister eingetragen. Erster Vorsitzender war Anton Himmel, 2. Vors. Hermann Boy. Dass der Verein nunmehr auch bei der politischen Gemeinde anerkannt war, erkennt man aus der Tatsache, dass die Kapelle ab 1928 von der Gemeinde jährlich einen Zuschuss von 200,- Mark bekam. 100,- Mark erhielt der Dirigent, der Rest wurde an die Musiker ausgezahlt. In der GV 1934 wurde dann festgelegt: ein junger Musiker muss 1 Jahr in der Kapelle und vor allem selbständig spielen können, bevor er von den Einnahmen der Kapelle irgendwelchen Anspruch hat.

 


Ab 1935 nimmt der Verein passive Mitglieder auf. 146 Mitglieder traten dem Verein bei - der Jahresbeitrag beträgt 1,20 Mark und wird in zwei Raten vom Vereinsdiener eingezogen. Dieser erhält für seine Arbeit 10,- Mark jährlich.

Das Jahr 1933 war auch für den Verein und die Kapelle ein großer Einschnitt. Bezeichnend der Eintrag im Protokollbuch: es war das arbeitsamste und geldärmste Jahr. In dieser Zeit wurden die Vorstandssitzungen nicht mehr in Gasthäusern abgehalten sondern in Wohnzimmern von Vorstandsmitgliedern. Musiker traten aus, der Wechsel in den Vorstandschaften war verhältnismäßig groß. Auch die Einträge im Protokollbuch waren sehr vorsichtig formuliert - was in Anbetracht der politischen Verhältnisse nicht verwunderlich ist. So heißt es ganz lapidar, ohne weitere Erklärung z.B.: 1936: - 1. Mai Nationalfeiertag - Maifeier auf dem Adolf-Hitler-Platz oder auf Beerdigungen von passiven Mitgliedern wird nicht mehr gespielt, weil die Musiker beschäftigt sind. 1938: im Verein knistert und knarrt es - es kommt zu Austritten.

Im 3. Reich waren Uniformen der Wehrmacht und den NS-Organisationen vorbehalten. An den Fronleichnams-Prozessionen durfte die Kapelle nicht mehr in Uniform teilnehmen. Vermutlich sind es diese und weitere Gründe, warum die von den Bildern bekannte weiße Kleidung als sogenannte Nebenuniform angeschafft wurde. Zuerst mit schwarzem Hut (im Theater ausgeliehen), später mit der Michelsmütze.

Diese Uniform zeigt Ihnen Karl Veith


1939 verzeichnen wir die letzten Eintragungen im Protokollbuch. Die Kapelle spielte während des Krieges nur noch in Notbesetzung.

Im Jahr 1933 wurde Hermann Boy Vorsitzender ehe ihm 1934 August Meier folgte, der das Amt bis 1951 innehatte. In Anbetracht der politischen Verhältnisse war diese Vorstandschaft sicher nicht einfach. Der Verein dankte August Meier bei seinem Ausscheiden mit der Ehrenvorstandschaft. Aus dem zweiten Weltkrieg sind vier Aktive (Ferdinand Himmel, Edmund Meier, Karl Veith und Nikolaus Himmel) nicht zurück gekommen. Trotzdem fanden sich einige der Heimgekehrten, um nach dieser schrecklichen Zeit einen neuen Anfang zu wagen.

Der Chronist berichtet aus dem Jahr 1951: ...durch den unglückseligen 2. Weltkrieg und dessen Zusammenbruch.... war der Musikverein durch die Besatzungsmächte verboten.

In der GV am 11. März 1951 wagte man einen Neuanfang: die nun zurückgekehrten Musiker schlossen sich wieder zusammen, um eine spielfähige Kapelle zu gründen, welche sich bis auf den heutigen Tag behaupten konnte. Durch die immer größer werdenden Ansprüche an die Kapelle, durch Beschaffung von Instrumenten und Noten, sah sich die Kapelle gezwungen, um einen finanziellen Rückhalt zu schaffen, wieder einen Musikverein zu gründen. ... der Beitrag für die passiven Mitglieder wurde auf 2,-DM festgesetzt und jährlich eingezogen.

Die Wiedergründung brachte auch eine neue Vereinsführung mit sich. Nach 40-jähriger Dirigentschaft übergibt 1951 Franz Lörch den Taktstock an seinen Neffen Richard Lörch, der ihn trotz schwerer Kriegsverletzung bis 1976 in Händen hielt. Franz Lörch wurde für seine Verdienste zum Ehrendirigenten ernannt, sowie die alten Musiker Hermann Boy, Franz Ernst, Anton Himmel, Otto Lörch, Philipp Meier und Johann Seiter zu Ehrenmitgliedern. Gleichzeitig übernahm 1951 Wendelin Meier das Amt des Vorsitzenden von August Meier.

Im Protokollbuch von 1952 lesen wir: im Jahre 1952 standen wir einer besonders schweren Aufgabe gegenüber, galt es doch den schon längst gehegten Wunsch, die Anschaffung von neuen Uniformen zu verwirklichen. Zunächst musste die Finanzierungsfrage geklärt werden, welche dann auch durch das Entgegenkommen der Spar- und Darlehenskasse Neuweier gelöst wurde, indem sie uns ein Darlehen von 1.500,-DM bewilligte.... Die Anschaffung der Uniformröcke belief sich auf 2.500,-DM....

Diese Uniform zeigt Ihnen Oswald Keller


Das Jahr 1954 stand im Zeichen des mit vier Jahren Verspätung stattfindenden 50-jährigen Stiftungsfestes. Das Festbankett bot Gelegenheit, verdiente Mitglieder zu ehren. Wir nennen auch sie alle namentlich, denn sie hätten es nicht verdient, vergessen zu werden. Das Goldene Treueabzeichen für 50-jährige bzw. 40-jährige Tätigkeit erhielten Ehrenmitglied Hermann Boy sowie Ehrendirigent Franz Lörch. Zu Ehrenmitgliedern wurden die alten verdienten Aktiven Gottfried Himmel, Josef Keller, Johann Nesselhauf, Karl Meier und Josef Wann ernannt. Am 50-jährigen Stiftungsfest beteiligten sich insgesamt 20 Musikkapellen mit 542 Musikern.

Ein weiterer Höhepunkt des Jahres 1954 war die Mitwirkung der Musikkapelle an der Eröffnung der Badischen Weinstube in Ebersberg bei München, galt es doch, unseren heimischen Wein in Bayern einzuführen, um so die Lebensgrundlage unserer Winzer zu festigen, ist wörtlich im Protokoll nachzulesen. Dieser Tradition folgend sind die Verantwortlichen bis heute darum bemüht, bei auswärtigen Auftritten und auf Reisen die hiesigen Produkte neben der Musik zu präsentieren.

Und noch zu erwähnen aus dem Jahr 1954: ....die Kapelle trat 28 Mal an die Öffentlichkeit und hatte insgesamt 87 Musikproben abgehalten. Und das heutige Ehrenmitglied Alois Keller in diesem Jahr wurde 1. Vorsitzender.

Einen interessanten Eintrag fanden wir im Protokollbuch aus dem Jahre 1958: Wie immer begleitete auch in diesem Jahr die Musikkapelle unsere Erstkommunikanten zum Hauptgottesdienst, und gab nach diesem ein Platzkonzert vor der Kirche. Im Anschluss daran versammelten sich die aktiven Musiker im Gasthaus zur Traube nach alter Tradition zu einem frohen Umtrunk. Ob wohl alle pünktlich zum Mittagessen zu Hause waren?

Die zweite Hälfte der fünfziger Jahre war geprägt von reger Vereinstätigkeit mit zahlreichen Auftritten in der näheren und weiteren Umgebung. Der Verein bestand damals aus 32 aktiven und 167 passiven Mitgliedern.

Am 5. März 1961 übernahm Bernhard Himmel den Vorsitz, den er bis zu seinem Tod am 17. Juni 1966 innehatte. Unter seinem Vorsitz, unterstützt von Dirigent Richard Lörch, entstand 1963 die Freundschaft zum elsässischen Musikverein "Harmonie Schirrhein-Schirrhoffen ". Diese großartige Verbindung entstand im Jahr des Deutsch-Französischen Vertrags zwischen den Staatsmännern Konrad Adenauer und Charles de Gaulles.

Charles Reymann zeigt Ihnen die damalige Uniform der Kapelle aus Schirrhein-Schirrhoffen und wie eine Begrüßung damals ausgesehen haben könnte.

Charles Reymann und Oswald Keller in den Uniformen der 1960-er Jahre

Obwohl bis heute auf beiden Seiten mehrere Wechsel in den Vereinsführungen zu verzeichnen waren, hat die freundschaftliche Verbindung nie gelitten und ist auf beiden Seiten fester Bestandteil des Vereinslebens.

Die Freundschaft wurde in den vergangenen 37 Jahren unentwegt gepflegt. Jährlich besuchen wir uns gegenseitig zu den Konzerten und Festen und es sind immer wieder besonders schöne Stunden, die wir miteinander erleben. Wenn wir mit dem Bus ins Elsass fahren, kommen wir selten zur geplanten Uhrzeit nach Hause.


Unvergessen bleiben für alle Teilnehmer die bisher stattgefundenen Jubiläumsveranstaltungen. Die Gastfreundschaft, mit der die Neuweierer Gäste bei den Musikerfamilien in Schirrhein und Schirrhoffen jeweils verköstigt wurden, ist nicht zu überbieten. Wir kamen uns immer vor wie Gott in Frankreich. Ganz besonders in Erinnerung bleibt der gemeinsame Ausflug 1988 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Verbindung in die Champagne und nach Paris. So sind wir auch kurz nach diesem Ausflug der traurigen Pflicht nachgekommen und haben den verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden Xavier Reymann mit der Kapelle zum Grab begleitet.

Im Jahr 1965 war dann die Kapelle aus Neuweier zum ersten mal im Rundfunk zu hören. Im Protokollbuch ist zu lesen: Der Vorschlag der in der letztjährigen GV gemacht wurde ,die Musikkapelle sollte doch auch einmal über den Rundfunk zu hören sein, kann nun ausgeführt werden. Stabsmusikmeister a.D. Joachim Arend aus Karlsruhe unterzog die Kapelle am 10. Januar 1965 einer Abhörprobe. Da die Kapelle die Probe bestand, wird nun in absehbarer Zeit die Sendung zustandekommen. Am 8. Mai brachte der SDR die o.g. Sendung aus Neuweier. Darin wurde auch der Ort dargestellt.

1966 war erstmals von einer Beteiligung an einem Faschingsumzug in Bühl die Rede. Es las sich folgendermaßen: Mit Faschingsstimmung beteiligten wir uns am Fastnachtssontag am Umzug in Bühl. Nachdem unser Vorstand B. Himmel zu dieser Zeit stationär im Krankenhaus in Bühl war, ließen wir es uns nicht entgehen, vor dem Krankenhaus ein Ständchen darzubringen. Anschließend waren wir noch zu einen kleinen Umtrunk in der Firma Otto Lörch in Bühl und danach versammelten sich die Mehrzahl der Musiker auf dem Neuweierer Kirchplatz zu einem Platzkonzert - das war Power - . Am 17. Juni 1966 verstarb Vorsitzender Bernhard Himmel. Am 26. Februar 1967 wurde Gerhard Seiter zu seinem Nachfolger gewählt. Er hatte das Amt 18 Jahre lang inne.

Gleich zu Beginn dieser Vorstandschaft wurde neben der Uniform die Küfertracht angeschafft, die bis heute bei besonderen Anlässen getragen wird. In ihr wird ganz besonders Neuweier als Weinort repräsentiert, wie 1967 bei der Bundesgartenschau in Karlsruhe und auf dem Bahnhof Steinbach im Rahmen einer Pressefahrt deutscher Journalisten in das badische Weinbaugebiet. Auch Fernsehaufnahmen 1969 zusammen mit den Varnhalter Winzerbuben und die Teilnahme am Festzug zur 850-Jahr-Feier von Freiburg im Jahr 1970 erfolgten in der Küfertracht.

Diese Uniform zeigt Ihnen Stefan Meier


Im Jahr 1973 wurden dem Dirigenten Richard Lörch zwei große Ehrungen zuteil. Am 25. März erhielt er bei der Hauptversammlung des Blasmusikbezirks "Yburg-Windeck" die Große Goldene Ehrennadel des Bundes Deutscher Blasmusikverbände für 50-jährige aktive Tätigkeit. Für seine großen Verdienste um das kulturelle Leben in Neuweier erhielt er am 17. November des selben Jahres das Bundesverdienstkreuz am Bande aus der Hand des Landtagspräsidenten Camill Wurz aus Baden-Baden.

1974 war die Uniform 22 Jahre alt, und es war ein großer Wunsch der Musiker, eine neue, moderne Uniform zu erhalten. So wurde in diesem Jahr mit großer finanzieller Anstrengung eine neue Uniform für 36 Musiker angeschafft, die bis zum 100-jährigen Jubiläum getragen wurde. Ein Spendenaufruf an die Neuweierer Bevölkerung fand guten Zuspruch und half schließlich, die Investition zu tätigen. Im Protokollbuch heißt es: Zur Erinnerung an den Tag der Einweihung der Fatima-Kapelle am 15. Mai 1949 wurde am Sonntag, 26. Mai 1974 eine kirchliche Feierstunde abgehalten. Eine große Schar versammelte sich auf dem Gelände, um der Mai-Andacht beizuwohnen. Die Feier wurde von der Musikkapelle umrahmt. Hierbei trat die Kapelle erstmals in der neuen Musikerkleidung auf, was Kaplan Bold auch zum Anlass nahm, diese einer Weihe zu unterziehen.

Diese Uniform zeigt Ihnen Ehrenvorsitzender Winfried Meier


Mit einem Jahr Verspätung wurde 1976 der 75. Geburtstag der Musikkapelle bzw. des Musikvereins gefeiert. Beim Festbankett am 22. Mai konnte, Herr Peter Brenner als Vorsitzender des Blasmusikverbands Mittelbaden in Neuweier begrüßt werden.

Das große Jubiläumsfest fand auf dem zuvor neu eingeweihten Sportplatz Neuweier statt. Dies war auch der Grund für die einjährige Verspätung. Die vier Festtage vom 2. bis 5. Juli wurden zu einem Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Am Sonntag nahmen an dem großen Festzug neben dem Gastgeber weitere 16 Kapellen teil. Das Nachmittagskonzert im Festzelt bestritten 7 Kapellen, ehe am Abend ein großer Tiroler Abend folgte.

Von weiteren einschneidenden Ereignissen gibt es aus dem Jahr 1976 zu berichten. Da wurde mit Rita Schweikert geb. Bruder, das erste weibliche Wesen in die Kapelle aufgenommen. Sie spielte 30 Jahre die erste Trompete und ist auch heute mit der Kapelle noch sehr verbunden.

Was auch einmal erwähnt sein soll, die Akustikdecke im Probelokal wurde 1976 nachdem 8 Jahre zuvor der erste Anstoß erfolgte, endlich Wirklichkeit.

Am 12. Oktober 1976 übergab Richard Lörch in der Musikprobe den Dirigentenstab nach 25 Jahren an seinen bisherigen Stellvertreter Hans Himmel. Richard Lörch hat seit 1923 der Kapelle angehört. Am 4. Dezember wurde er bei einer Feier im Schützenhaus offiziell verabschiedet und zum Ehrendirigenten ernannt. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat er sich in vorbildlicher Weise um den Verein verdient gemacht.

Am 14. Mai 1977 fand unter dem neuen Dirigenten Hans Himmel das erste Mai-Konzert statt. Es hat sich seither zu einer festen Größe im Jahresablauf des Vereins entwickelt.

1979 legten die ersten Jungmusiker unseres Vereins das Jungmusikerleistungsabzeichen ab. Am 10. Dezember 1979 dirigierte Ministerpräsident Lothar Späth das "Hoch-Badnerland" bei einem Empfang in Baden-Baden. Ebenfalls 1979 wird Josef Huck zum Ehrenmitglied ernannt.

1980 feierten wir das 80-jährige Bestehen mit einem Bezirksmusikfest im großen Festzelt in der Kelterstraße. Seit 1982 fand das Rebenblütenfest im Hof der Winzergenossenschaft statt, das 2004 vom "Neuweirer Sommerfest" am Kirchplatz vor dem neuen Pfarrzentrum St. Michael abgelöst wurde.


Zu Fastnacht 1981 wird von einigen Frauen unter Leitung von Rita Himmel eine Fastnachtsuniform genäht. Mit ihr zogen wir jahrein jahraus in Weitenung und Kartung durch die Straßen. Ab 1998 nahmen wir an keinem Fastnachtsumzug mehr teil.

Diese Uniform zeigt Ihnen Hermann Siebert

Seit der Generalversammlung 1982 werden die besten Probebesucher des vergangenen Jahres mit einem Weinbecher ausgezeichnet; nach sechs Bechern erhält der Aktive einen Weinkrug.

Am 19. Januar 1985 übergab Vorsitzender Gerhard Seiter nach 18 Jahren den Vorsitz an den bisherigen zweiten Vorsitzenden und Aktiven Winfried Meier. Der ausscheidende Vorsitzende wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Winfried Meier führte den Verein 18 Jahre erfolgreich und er hat es in dieser Zeit verstanden, dem Verein viele neue Impulse zu geben.


So war die Baden-Badener Partnerstadt Menton an der Côte d'Azur zwischen 1985 und 1994 viermal das Ziel der Musikkapelle Neuweier. Auf Initiative und unter Führung des Partnerschaftsvereins - Frau Heetel sei hier ganz besonders erwähnt - war es der Kapelle möglich, die badische Heimat in der Ferne darzustellen und zur Völkerverständigung zwischen Frankreich und Deutschland weiter beizutragen. Bei den Gegenbesuchen der Kapelle "La Garde de Menton" und Mentoneser Besuchergruppen trat der Musikverein Neuweier immer gerne als Gastgeber auf.

Zuletzt genannt seien als Höhepunkte der letzten Jahre die vom 1999 verstorbenen Ehrenmitglied Manfred Huck initiierten Besuche in dessen neuer Heimat Berghausen bei Wetzlar 1985 und 1990 - sowie bei seinen Sächsischen Netzwerken in Heidenau bei Dresden 1993 und 1996. Leider mussten wir ihn im September 1999 mit der Kapelle an sein Grab begleiten.

Nach der Änderung unserer Satzung werden seit 1997 verdiente Aktive zu Ehrenmusikern ernannt. In der Generalversammlung am 24. Januar 1998 legte Hans Himmel nach 22 Jahren sein Amt als Dirigent nieder. Im Februar 1998 begann Paul Hoffmann als sein Nachfolger die Arbeit mit der Kapelle und führte sie zu neuen Höhepunkten. Unterstützt durch seine Ehefrau Petra Tuschla-Hoffmann als Vizedirigentin und Rolf Meier als Jugendleiter brachte die Jugendarbeit ein musikalisch beachtliches Jugendorchester mit über 30 Zöglingen hervor.

Im Jubiläumsjahr 2000 konnte sich die Musikkapelle über die Beschaffung einer neuen Uniform erfreuen. In dieser neuen trachtenförmigen Kleidung stellte sich die Musikkapelle beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2000 vor.

Die Jubiläumskapelle im Jahr 2000


An der Generalversammlung im Jahr 2003 gab Winfried Meier die Führung des Musikvereins Neuweier e. V. in jüngere Hände. Der bisherige Stellvertreter Markus Meier wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und übernahm die Verantwortung. Winfried Meier wurde nach 18 Jahren als 1. Vorsitzender beim Mai-Konzert 2003 zum Ehren-Vorsitzenden ernannt.

Ab 2003 wurde der Verein von einem Dreier-Team aus 1. Vorsitzenden Markus Meier, 2. Vorsitzenden Joachim Seiter und dem neugeschaffenen Amt des Musikervorstandes Albrecht Seiter geleitet.

Das neue Vorstands-Team 2003

Im Jahre 2007 führte der Weg in die Baden-Badener Partnerstadt Karlsbad. Bei mehreren Konzerten in der tschechischen Kurstadt zeigte die Musikkapelle unter der Leitung von Petra und Paul Hoffmann ihre hervorragende musikalische Qualität. Auch der Oberbürgermeister von Baden-Baden, Herr Wolfgang Gerstner, begleitete uns bei den Auftritten. Nach drei eindrucksvollen Tagen ging es zurück nach Neuweier.

Um die Musikkapelle bei Auftritten besser darstellen zu können, wurden 2008 dekorative Wimpel für die Notenständer gekauft. Die Baden-Badener Winzergenossenschaft trat dabei als Sponsor auf und wurde auf dem Wimpel aufgeführt. Seitdem machen wir auch als Musikverein dem Weinort Neuweier und dem guten Wein alle Ehre.

 


Nach einem anspruchsvollen Frühjahrskonzert 2009 verabschiedete sich Dirigent Paul Hoffmann und seine Frau Petra nach 11 erfolgreichen Jahren. In diesen Jahren machte die Musikkapelle Neuweier große musikalische Fortschritte und die Jugendarbeit wurde auf eine höhere Ebene gestellt.

Mit Gerold Schneider konnte ein musikalischer Leiter verpflichtet werden, der die Kapelle gekonnt und engagiert durch die Sommersaison 2009 führte. Er schloß sich seitdem auch als Könner an der Klarinette und dem Saxophon der Musikkapelle an.

Seit November 2009 strebt die Musikkapelle mit ihrem neuen Dirigenten Alexander Wurz nach neuen Zielen. Der noch junge Profi, 1. Tenorhornist beim Luftwaffenmusikkorps II in Karlsruhe, hält wie alle seine Vorgänger die jungen und alten musikalischen Talente des Orchesters zusammen.

Im September 2009 formierte sich eine neue Gruppierung aus dem Gesamtorchester heraus, zur "Gugge-ma-mol-Mussi Neuweier". Mit schrägen Tönen, lautem Schlagwerk und viel Begeisterung bereichern die närrischen Musikerinnen und Musiker die Fastnachtszene in Neuweier, dem Baden-Badener Rebland und der weiteren Region. Sie setzen so die Tradition der Musikkapelle Neuweier fort, auch ihr närrisches Gesicht zu zeigen, die bei der Teilnahme am Fastnachtsumzug 1966 in Bühl begann.

Die neu-formierte "Gugge-ma-mol-Mussi Neuweier"

 

Für den Transport der immer größer werdenden Anzahl an Percussion-Instrumente, wurde im 2010 wurde ein Anhänger durch den Musikverein gekauft. Mit Hilfe von vielen Sponsoren konnte die Anschaffung getätigt werden. Die Werbung dieser Sponsoren ziert nun die Außenflächen des Anhängers.

 


 

Trotz des frühen Todes unseres Ehrenmitglieds Manfred Huck rissen die Kontakte zu seiner Familie und der Musikkapelle Aßlar-Berghausen nie ab. Im Jahr 2011 führte und eine Konzertreise wieder nach Heidenau bei Dresden um das Firmenjubiläum der Sächsischen Netzwerke zu umrahmen. Manfred`s Söhne Stefan und Valentin, die mittlerweile das Management der Firma Huck Netze übernahmen, luden uns auch 2013 wieder nach Berghausen ein, um beim Firmenjubiläum und den Deutschen Seilertag mitzuwirken. Diese Reisen nach Heidenau und Berghausen wurden auch immer gerne genutzt, um die Freundschaft bis in die frühen Morgenstunden weiter zu vertiefen.

 

Die Musikkapelle Neuweier 2013

in Aßlar - Berghausen bei der Firma Huck-Netze


Seit der Generalversammlung 2011 wird der Verein von dem veränderten Dreier-Team aus 1. Vorsitzenden Markus Meier, 2. Vorsitzenden Albrecht Seiter und Musikervorständin Sandra Steinel geleitet. Joachim Seiter schied als 2. Vorstand aus. Sandra Steinel ist die erste Frau seit der Vereinsgründung, die eine Vorstandsposition übernahm. In diesem Jahr wurde das Sommerfest in "Neuweierer Musik- und Weinfest" umbenannt.


Ein ganz neuer Event wurde im Jahr 2012 das erste Mal zusammen mit den neuen Besitzern des Schlosses Neuweier, der Familie Schätzle, veranstaltet. Ein Weihnachtskonzert in der romantischen Umgebung des Schloßhofes, erfreut sich großer Beliebtheit. Stimmungsvoll beleuchtet und durch wärmende Feuerstellen ergänzt, spielt die Kapelle vor historischer Kulisse weihnachtliche Weisen.

Eine Einladung des Partnerschaftsvereins erhielt der Musikverein in 2012 zu einer Reise nach Menton. Da während der Faschingszeit die Gugge-Mussi unsere Musikkapelle dezimierte, wurden kurzerhand die Freunde aus Schirrhein-Schirrhoffen um Aushilfe gebeten. So fuhren wir nach dem Schmutzigen Donnerstag mit verstärkter Mannschaft und bester Stimmung zur Fete du Citron in Menton. Gleich am ersten Tag kam uns die Muttersprache der Elsässer zugute, denn so manche Bar öffnete für uns wieder trotz Sperrstunde. In neuen T-Shirts und Softshell-Jacken nahmen wir am karnevalistischen Corso durch Menton teil. Ein kunterbunter internationaler Lindwurm zog sich durch die Promenade an der Cote Azur und wir, ganz stolz, mittendrin. Tief beeindruckt mussten wir nach drei Tagen wieder Abschied nehmen.

2013 stand im Zeichen der Deutsch-Französischen Freundschaft. 50-Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrags durch de Gaulle und Adenauer, konnten auch die beiden Musikkappellen aus Neuweier und Schirrhein-Schirrhoffen ihr Jubiläum feiern. Dies wurde an zwei Abenden in Neuweier und in Schirrhein getan, bei denen einige Gratulanten auf der Liste standen. Abgerudet wurde das Jubiläum durch die Überreichung des Ehrenordens des Deutsch-Französischen Carneval-Clubs in Baden-Baden an die beiden Musikvereine.

Ein phänomenales Gala Open Air Konzert im Hof des Schloßes von Neuweier war das Highlight im Jahr 2014. An einem lauen Sommerabend im Juli spielte die Musikkapelle Neuweier vor ca. 700 Konzertbesuchern auf. Dirigent Alexander Wurz bezauberte das Publikum mit feinsinnigen Werken der konzertanten Blasmusik. Für die Besucher, die Musikerinnen und Musiker war dies ein einmaliges Erlebnis. "Godzilla" zog alle Zuhörer in seinen Bann. Die große illuminierte Konzertbühne mit Schloß Neuweier als Hintergrund war imposant anzuschauen. Der langjährige 2. Vorsitzende, Schriftfüher und Vizedirigent Michael Seiter erhielt an diesem Abend die Landesehrennadel überreicht.

Die Jahreshauptversammlung des Musikvereins Neuweier im März 2015 brachte eine neuformierte Vorstandschaft hervor. Albrecht Seiter schied als 2. Vorsitzender aus der Verwaltung aus. Als Nachfolger wurde Johannes Huck gewählt. 1. Vorsitzender bleibt Markus Meier, Musikervorstand ist weiterhin Sandra Steinel.


Im April 2016 veranstaltete die Musikkapelle Neuweier in der St. Michaels-Basilika in Neuweier ein hochklassiges Kirchenkonzert. Etwa 500 beeindruckte Gäste genossen das musikalische Ereignis, das Dirigent Alexander Wurz und sein 50-köpfiges Orchester in den weiten Raum der Kirche zauberten. Pfarrer Dr. Kurt Hoffmann schrieb an den Musikverein: "Es war wirklich ein beeindruckendes Konzert mit einer gewaltigen Klangvielfalt, eine musikalische Meisterleistung!" ... . Auch die lokale Presse würdigte dieses Konzert entsprechend.

Unter dem Motto "Musik Ohne Grenzen" gab die Musikkapelle Neuweier zusammen mit den Oberbrucher Dorfmusikanten ein Doppelkonzert im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl. Über 700 begeisterte Zuhörer haben das exzellente Konzert unter dem Dirigenten Alexander Wurz besucht. Mit diesem Konzert setzte unser beider Dirigent wiedereinmal ein Highlight in unserer Vereinsgeschichte. Klarinettist Joachim Seiter erhielt an diesem Abend die goldene Ehrennadel des BDB für 40 Jahre aktives Musizieren.

Bei der Generalversammlung des Musikvereins Neuweier e. V. ging am 03. Februar 2017 eine Ära zu Ende. Der langjährige erste Vorstand und davor zweite Vorsitzende Markus Meier beendete seine Vorstandskarriere. Seit 1983 war er Mitglied der Vorstandschaft. Zuerst als Jugendvertreter, danach ab 1993 als zweiter Vorstand und seit 2003 als erster Vorsitzender prägte er den Verein an entscheidender Stelle mit. Viele Feste und Ausflüge fanden unter seiner Leitung statt, die Vereinswimpel und ein Anhänger wurden angeschaft und vor allem auch die Freundschaft mit den Musikfreunden in Schirrhein-Schirrhoffen weiter vertieft.

Neu gewählt als erster Vorsitzender wurde Michael Oser. Er war jahrzehnte lang unser erster Schlagzeuger bis er sich etwas zurückzog, aber immer noch aushilfsweise die Pauken bearbeitete. Mit Michael Oser geht nun die nächste Generation in unserer Vorstandschaft an den Start.

Unsere langjährige Musikervorständin und aktive Berätin Sandra Steinel gab an diesem Abend ebenfalls ihr Amt ab. Immer treu und freundlich für die Musikerinnen und Musiker sorgend, gestaltete sie den Verein mit. Sandra Steinel wurde durch Sandra Jung abgelöst, so dass auf jeden Fall der gleiche Vorname erhalten bleibt. Sind das nicht gute Vorzeichen ?

Auch das Amt der Schriftführerin wechselte an diesem Abend. Martina Oser übergab dies an Lisa Hochstuhl, die schon zuvor als aktive Beirätin der Vorstandschaft angehörte. Martina wird nun ihren Ehemann Michael Oser im Back-Office unterstützen. Die vergnüglichen Blättl-Berichte wird Martina weiter gestalten.

Neu in die Vorstandschaft wurde Tobias Eckerle, unser Vize-Dirigent, gewählt. Er übernimmt nun den Posten als aktiver Beirat.


Wir haben versucht, Ihnen einen kleinen Rückblick zu gewähren. Nun, was wird der Chronist in einhundert Jahren zu berichten wissen? Wir wagen es in unserer schnelllebigen Zeit nicht vorherzusagen. Die Hoffnung haben wir jedoch, daß es auch dann noch Idealisten geben wird, die sich diesem schönen Hobby widmen werden. Es mag sein, dass einige das eine oder andere Ereignis vermisst haben. Es ist einfach nicht möglich, in dieser Zusammenfassung jede Begebenheit oder jeden Namen wiederzugeben.

Wir alle hoffen, dass der Musikverein Neuweier noch viele Jubiläen feiern kann. Auch wenn wir dann nicht mehr die Jüngsten sein werden, zum Feiern so hoffen wir, sind wir nie zu alt. Und so wollen wir unser Glas erheben mit dem goldenen Neuweierer Wein und mit Ihnen allen auf die nächsten einhundert Jahre des Musikvereins Neuweier anstoßen.